Behind Taliban Lines – Berichterstattung von der anderen Seite der Front

Behind Taliban lines – Berichterstattung von der anderen Seite der Front

Journalist Najibullah Quraishi

Journalist Najibullah Quraishi

 

Najibullah Quraishi ist ein afghanischer Journalist. Er wurde durch die Dokumentation „The Convoy of Death“ bekannt (Dokumenation von 2002, über die Kriegsverbrechen der afghanischen Nordallianz an den Taliban. Sie erzählt auch davon, wie die Kontrolle für diese Operationen von Amerikanischen Spezialeinheiten übernommen wurde und sie schildert detailliert wie das Pentagon die ganze Welt belog um seine Rolle in der größten Grausamkeit des gesamten Afghanischen Krieges zu vertuschen.

Im Sommer 2009, während er für eine Reportage für FRONTLINE (FRONTLINE NEWS TV – Zusammenschluss freiberuflicher Kameramänner und Journalisten für unabhängigen Journalismus) berichtete, äußerte er den Wunsch, einmal einen der neuen Taliban Kommandanten zu interviewen, die einen wachsenden Aufstand in den nördlichen Provinzen des Landes anführen. Es würde der Erste in einer Reihe von Kontakten sein, der ihm einen außergewöhnlichen Zugang in eine Zelle der Aufständischen, mit langjährigen Beziehungen zu Al Qaida und den Taliban, gewähren würde. Dies ist die übersetzte Niederschrift einiger Ausschnitte eines herausgebrachten Interviews, geführt am 1. Februar, 2010.


Wie alles begann….

Ich hatte also ein Interview mit diesem Mann, er stellte sich als Kommandant von 300, 400 Taliban vor…Am Ende sagte er: „Möchtest du mitkommen und unsere Mudschaahidiin und ihr Leben sehen?“ ….

So kam ich zurück nach Großbritannien . Nach einem Monat, bekam ich einen Anruf vom Mittelsmann. Er sagte, dass er mit dem Anführer gesprochen hatte: „Sie haben zugestimmt, sie laden dich ein, du kannst also kommen.“….

Ich war für eine Woche in Kabul und er sagte (der Mittelsmann): „Wenn ich alles vorbereitet habe, dann werde ich dich am gleichen Tag anrufen. Du solltest also in der Region sein.“ Dann rief er mich an und sagte, „ Du kannst morgen kommen.“ Am nächsten Tag, verließ ich also Kabul und kam in diese Region. Sie nahmen mich im Auto mit, und von diesem Auto, in ein anderes Auto…

Wir überquerten untertags etwa fünf oder vier Flüsse. Und dann gingen wir für weitere zwei Stunden in der Nacht. Es war etwa 9 Uhr, dann sah ich das Licht eines Autos. Und der Mittelsmann sagte: „Dies ist der Mann, er wird uns mitnehmen.“ Ein bewaffneter Mann steigt aus dem Auto aus. Ich kannte den Fahrer nicht; (er) war Araber mit langem Haar und sehr sauberem Gewand und großen Schuhen.Ich dachte, jetzt werde ich eine Gruppe der Taliban treffen.Ich dachte, dies ist der Zeitpunkt an dem ich selber zum Feind kam.Ich dachte, vielleicht werden sie mich nicht mehr zurücklassen. Dies ist das Ende meines Lebens, denn dies passierte schon in Afghanistan….

Nun sagtest du, dass dich in der ersten Nacht alle ansahen, sie sind ein wenig misstrauisch. Dann wurde dir klar dass jene nicht (ausschließlich) Taliban sind, sondern eine Mischung von Leuten der Taliban und einer anderen Gruppe?

Am nächsten Tag fand ich heraus dass die meisten von ihne n Hizb-i-Islami sind, denn als sie sprachen, erwähnten sie oft (den Anführer von Hizb-i-Islam, Gulbuddin) Hekmatyar’s Name, und ich hörte, dass sie ihn unterstützen und Befehle von ihm erhalten. Danach fragte ich den Mittelsmann, er war Paschtune und er sprach mit ihnen, und er sa gte, die Meisten von ihnen sind von Hizb-i-Islami, doch auch einige Taliban sind in der Gruppe. Aber es gibt keinen Unterschied zwischen den Taliban und Hizb-i-Islam; sind sind zusammen wenn sie gegen die Regierungstruppen und NATO kämpfen. Aber die Meisten in dieser Region – in Kunduz und Baghlan – sind von Hizb-i-Islam. (Hier eine Übersichtskarte)

Wusstest du etwas über Hizb-i-Islami? Warst du mit ihnen vertraut?

Nicht davor. Ich hörte zwar über Hizb-i-Islam. Und ich wusste wer der Anführer ist, nämlich Hakmatyar. Doch ich dachte, dass diese Gruppe von Afghanistan bereits gegangen ist. Ich wusste nicht, dass sie noch immer da sind, mit vielen bewaffneten Leuten die in Afghanistan kämpfen.

(Nach der Anreise erreichten sie ein Gästehaus indem sie übernachteten…)

Dann hörte ich, dass sie am nächsten Tag einen Einsatz hatten. Ich ging zu Mirwais (dem Kommandanten). Ich sagte: „Würdest du mir erlauben sie beim Einsatz zu begleiten? Ich hörte, dass du einige deiner Gruppe dorthin schicken wirst.“ Er sagte: „Du bist ein Journalist, du wirst getötet werden. Was machen wir wenn du getötet wirst? Du bist mein Gast.“ Ich sagte: „Das ist okay. Das ist mein Job. Ich habe viel Erfahrung an der Front, als ich in Afghanistan war. Ich wollte weiter gehen.“ Also sagte er, „Wie du wünschst.“.Dann sagte er: „In Ordnung, meine Verantwortung war, dir den gefährlichen Teil zu erklären. (dich über Gefahren aufmerksam zu machen) Wenn du nun einverstanden bist, dann kannst du mitkommen.“

Was weißt du über den Einsatz?

Ich wusste nichts über den Einsatz, weder wo er stattfinden würde noch wann sie aufbrechen würden.

Am nächsten Tag fuhren wir über die Hauptstraße zu einem anderen Dorf, und wir überquerten einige Flüsse mit dem Boot und zu Fuß und gingen den ganzen weiten Weg zu einigen Dörfern. Und sie durchquerten die Dörfer sehr frei, was dich denken lässt, dass es dort keine Regierung und NATO Truppen gibt, es gibt dort überhaupt keine Truppen.

Hattest du den Eindruck, dass sie die Akzeptanz der Leute hatten, und „Bewegungsfreiheit“.

Sie gingen frei und unbehindert überall hin. Ich fragte einige Dorfbewohner, „Warum unterstützt ihr sie?`“ Und einige sagten weil die Afghanische Regierung den Entscheidungen der Ausländer folgt und sie auch Ungläubige sind, und wir sind Muslime und wir müssen den Muslimen folgen.

Denkst du sie haben das bloß für die Kamera gesagt, oder einfach weil die Männer mit den Waffen dabei waren?

Ich hatte zwei drei Interviews ohne jegliche Bewaffnete. Und einige Leute überquerten die Straße und ich hielt an und fragte, „Lebst du hier?“ (Wenn) er ja sagte, fragte ich, „Welche Gruppe bevorzugst du?“ Er sagte „Taliban, und sie sind wirklich gute Menschen.“ Und auch wie wir Dörfer durchquerten, riefen einige Kinder, „Bitte bleibt bei uns zum Mittagessen und dann geht erst, oder zum Abendessen, dann geht erst .“

Dann fragte ich einen der Männer, „Warum bitten euch diese Leute ihre Gäste zu sein?“ Er sagte: „Weil sie uns lieben. Sie wollen die Mudschaahidiin speisen. Und auch die Kinder die uns einluden, viele ihrer Väter wurden während dem Jihad gegen Russland, oder im Jihad dieser Zeit, gegen die NATO- oder Afghanischen Truppen, getötet. Deshalb lieben sie die Mudschaahidiin.“

Sie sagten: „Als Russland in Afghanistan war, kämpften alle Afghanen gegen Russland.“ Damals war es nur ein ungläubiges Land (Russland). „Jetzt“, so sagen sie, „gibt es 42 Länder der Ungläubigen (die das Land besetzten) mit hundert Tausenden von Soldaten. Dies ist also unsere Pflicht, dagegen zu kämpfen.

Dann in der Dunkelheit, fragte ich Arif, „Wohin gehen wir?“ Sie sagten: „Wir gehen und platzieren unsere Mine, es braucht eine Stunde um die Mine zu platzieren. Und dann warten wir bis zum Morgen auf Amerikanische Konvois, Nato Konvois oder Wägen der Afghanischen Polizei. Wir müssen dann dort sein um die Mine hochgehen zu lassen.

Nun, an diesem Punkt weißt du dass sie den Kunduz-Baghlan Highway (Fernstraße) als Ziel haben. Ist dies eine wichtige Fernstraße?

Versorgungsroute der NATO und Ausländischen Truppen

Versorgungsroute der NATO und Ausländischen Truppen

 

Diese Fernstraße ist richtig wichtig. (Es ist) die Versorgungsstrecke der NATO-Truppen. Jeden Tag kann man Konvois der Amerikanischen-, Deutschen-, oder NATO-Truppen sehen. Es ist die Fernstraße, die den ganzen Weg von der tadschikischen/afghanischen Grenze weg, weiter über Kunduz, Baghlan und letztendlich nach Kabul verbindet.(supplymap) Und von Kabul weg, den ganzen Weg nach Peshawar. Es ist ein und dieselbe Straße. Davor attackierten sie die Seite (der Straße) in Peshawar, und jetzt wählten sie diese Seite aus.

An einem Punkt, in einem der Dörfer durch die du gegangen bist, ist ein Haufen Munition aufgelegt, und ein Haufen von Granaten. Was war das ganze Zeug , und von wo kam das alles? Wer zahlte dafür?

Ich fragte Mirwais, „Was sind all diese Sachen?“ Im Grunde genommen ist es das was während der drei Jahrzehnten langen Krieges in Afghanistan passierte. So begruben die afghanischen Leute ihre Waffen, ihre Granaten und ihre Raketen. Und jetzt geben sie alles her um ihnen zu helfen. Manche Leute schenken es nicht her und so kaufen sie (die Aufständischen) auch von ortsansässigen Leuten.

Sind diese Waffen und Granaten von den Vereinigten Staaten um damit die Russen zu bekämpfen, oder haben die Russen das ganze Zeug zurückgelassen?

Alle Waffen die ich gesehen habe waren russisch. Und sie waren 20, 25 Jahre alt.

Zurück zum Einsatz…

Als sie bei der dritten Möglichkeit angreifen wollten (die Bombe zünden wollten), sahen sie den Konvoi der Polizei und wollten die Bombe entfernen. Und da war ein örtliches Taxi das genau dort anhielt, wo sie die Bombe platzierten und deshalb ließen sie die Bombe nicht in die Luft gehen. Bei der letzten Möglichkeit, wollten sie die Bombe hochgehen lassen, verfehlten jedoch das Ziel weil Zivilisten, einige Kinder und Frauen, die Straße überquerten. (sie verfehlten das Ziel weil sie die Bombe erst verspätet zünden konnten– erst als die Zivilisten weg waren – siehe Video)

doch genau als sie vor hatten anzugreifen, kommen Dorfbewohner, genau dort wo sie die Bomben am Straßenrand legten.“ (Ausschnitt aus dem Video)

Haben sie den Befehl Zivilisten nicht zu schaden?

Eines der Dinge die ich bei ihnen sah ist, dass sie niemals den Menschen vor Ort Schaden zufügen.

An einem Tag fragte ich einen der Älteren eines Dorfes, Ich sagte: „Warum unterstützt ihr sie?“ Sie sagten: „Weil sie wirklich auf die Zivilisten, die Leute vor Ort, aufpassen. Und NATO, Regierung und Amerikaner, ihnen ist es egal. Sie werfen einfach eine Bombe auf Zivilisten, es kümmert sie nicht und sie töten einfach jeden.“ Und ich denke, dies ist der ausschlaggebende Punkt, hinter der Unterstützung (für sie) durch die Leute. Sogar in ihrem Einsatz – sie haben die Bombe nicht entfernt, wegen den Zivilisten (weil sie zu Schaden kommen könnten) Ich glaube also, das ist es, warum die Leute vor Ort sie unterstützen.

(Nachdem sie die Bombe hochgehen haben lassen, feuerten sie eine Rakete ab….der Reporter beginnt zu laufen)

Sodann gingen sie sehr sehr frei und ohne jeglichen Stress, so fragte ich sie: „Ihr habt das getan, ihr habt die Rakete abgefeuert, und wir sind sehr nah an der Hauptstraße. Warum geht ihr so gemütlich? Wir sollten laufen, oder ihr solltet laufen.“ Sie sagten: „Nein, wir haben die Mine gezündet und die Rakete abgefeuert, für drei Stunden wird keiner den Mut haben hier her zu kommen. Keine NATO, nichts, keine afghanische Regierung.“ Sie sagten, „Wir könnten sogar zur Hauptstraße gehen und Checkpoints machen, wir könnten jedes Auto kontrollieren, und das Militär wird für 3 Stunden nicht kommen, oder die afghanische Regierung oder NATO-Truppen – sie haben keinen Mut in den nächsten drei stunden hierher zu kommen.

Hatten sie nicht Angst vor amerikanischen Dronenangriffen – oder gibt es in dieser Region keinen Dronenangriffe, oder die Nationale Afgahnische Armee?

Was ich sah als ich mit ihnen war ist – sie alle wollten sterben. Jeder – einfach bereit zu sterben. Ihr Anführer Mirwais, er musste auswählen wer auf den Einsatz mitkommt. Er sagt, „Du, du und du“ Und der Rest sagt: „Bitte lass mich gehen.“ Als ich also fragte : „Warum seid ihr so? Sie sagten: „ Wir sorgen uns einfach nicht um das Leben. Alles was wir wollen ist es Märtyrer zu werden, getötet zu werden, die Ungläubigen zu bekämpfen“. Dies ist im Grunde genommen ihr Wunsch. Sie haben keine Angst.

Genau in dieses Gebiet wo die Straßenrandbombe war, kommst du nach deinem Aufenthalt mit der „Zentralfront“ (Abteilung die diesen Einsatz ausführte) zurück und triffst dich mit der afghanischen Polizei.

Ich fuhr (mit einem Kameramann) genau in dieses Gebiet. Dann sah ich einen Haufen Polizeileute mit ihren Wägen bei der Zapfsäule parkend, die gleiche Zapfsäule an der ich vorher war (mit Hizb-i-Islam bei dem Einsatz – sie warteten dort auf die Zündung). Und sie riefen uns zu nicht zu filmen. Und als wir zu filmen aufhörten, sagten sie „Kommt rüber“.

Wir gingen zu ihrem Kommandanten. Ich sagte: „Wir hörten, dass in dieser Gegend kein Frieden herrscht, also wollten wir für das Fernsehen eine Reportage machen, darüber, ob die Straße friedlich ist oder nicht. Gibt es irgendwelche Probleme hier oder nicht?

Er sagte: „Alles ist in Ordnung. Es gibt keine Probleme, alles ist cool. Wir stehen im Dienste der Leute, Tag und Nacht.“

Dann sah ich , dass einen halben Kilometer entfernt zwei Polizeistationen waren. Ich ging zur anderen Polizeistation, der zuständige Chef für Fernstraßen war da, also interviewte ich den Chef für Fernstraßen, und auch er sagte, dass es keine Probleme gebe.

Denkst du, dass sie die Wahrheit über die Gefahr rund um das Gebiet nicht kannten, oder erzählten sie bloß Geschichten?

Sie wussten absolut Bescheid. Aber sie verheimlichen es.

Nachdem du gegangen bist, war es genau diese Gruppe von Polizisten die angegriffen wurden?

Zwei Wochen nachdem ich gegangen bin griff die „Zentralfront“ am 14.Dezember, die Polizeistation an, und sie töteten alle acht Polizisten.

Die gleiche Polizei also, die du interviewt hast, und die sagten alles ist in bester Ordnung, wurden von der gleichen „Zentralfront“ angegriffen.

Die gleiche „Zentralfront“ und die gleiche Polizeistation.

Sie haben also kein Problem damit Afghanen zu tötet, wenn sie von der Polizei sind?

Was sie sagen ist, dass Ungläubige Ungläubige sind. Alle diejenigen, die Befehle von den Ungläubigen erhalten, von den Ausländern, sind für uns auch Ungläubige. Es interessiert sie nicht ob er Afghane ist, sie (die Polizisten) nehmen ja alles von den westlichen und NATO-Truppen. Und so sind sie auch unser Feind.

Die NATO und auf was die Amerikanischen Anstrengungen sich konzentrieren ist in einem anderen Teil des Landes. Was sollten wir vom Norden halten?

Im Grunde genommen, sind die NATO und die die Ausländischen Truppen alle im Süden. Und sie denken nicht einmal an den Norden. Deshalb haben also die Aufständischen eine neue Front im Norden Afghanistan geöffnet, um sie (die Truppen) zu beschäftigen.


Video: Behind Taliban lines

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Eine Antwort

  1. Komisch Komisch! Trotz der Welt Armeen wie Amerika,Großbritanien,Frankreich,Italien und Deutschlands sind die Taliban 2009 rund 80% in Afghanistan aktiv!
    Da muss man sich doch langsam fragen was machen diese Armeen über Jahre hinweg in diesem Land?!!!
    Wollen sie nur Wiederaufbau leisten was sie ja selbst kaputt gemacht haben?!!
    Oder wollen sie den Opium Anbau stopppen? Was aber auch jedes Jahr komischerweise ansteigt!!! Als die Taliban an der Macht waren,war der Drogenanbau fast ausgerottet! Dann kommen die ungläubigen Besatzer und es steigt wieder an!!!
    Wollen sie die Bevölkerung durch ihre Sex Orgien wie in Kabul verteidigen?!!!
    Wollen sie wie deutsche Soldaten einfach auf Autos schießen?! Oder ohne Beweise Luftangriffe starten was hunderten Menschen das Leben kostete?!!

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